SAP WM versus SAP EWM – alle Pros und Contras (1/2)

Daniel Rotter

Daniel Rotter

Warehouse Management (WM), Stock Room Management, embedded EWM oder dezentrales EWM – ein bunter Strauß an Möglichkeiten.

Wenn Kunden eine SAP S/4HANAEinführung in Betracht ziehen, müssen sie auch über eine Strategie hinsichtlich ihrer Lagerverwaltung nachdenken. Doch mit der neuen S/4HANA-Welt sind die Möglichkeiten

für Ihre Lagerverwaltung nochmal größer geworden. In dieser zweiteiligen Blog-Serie möchten wir Ihnen Entscheidungshilfen an die Hand geben, wie ein reibungsloser Umstieg aussehen kann.  

Viele Kunden benutzen heute das bewährte SAP WM-Modul, da es einfach und vollintegriert mit anderen Logistik-Modulen (MM/LES/PP) zusammenarbeitet. Von einer Verwaltung eines einfachen Hochregals bis hin zur Anbindung eines Materialflussrechners – das SAP WM macht es möglich und läuft zuverlässig. Hinzu kommt noch, dass die vielerorts schon jahrelang genutzte Scanner-RF-Technologie die mobile Datenerfassung zuverlässig unterstützt.  

SAP WM ist endlich – Entscheidungen sollten getroffen werden

Auch wenn SAP WM ein treuer Begleiter vieler Kunden ist, darf man nicht vergessen, dass mit der Einführung von SAP EWM (Extended Warehouse Management), die Weiterentwicklung von SAP WM gestoppt wurde. Stattdessen ist nun SAP EWM das strategische Produkt, das von der SAP bis heute gefördert wird.  

Mit der Einführung der S/4HANA-Welt wollte die SAP das Modul WM ursprünglich bis Ende 2025 auslaufen lassen und komplett auf EWM setzen. Jedoch wurde jedem schnell klar, dass sehr viele Kunden SAP WM betreiben und somit diese auch Bauchschmerzen mit einer raschen Umstellung bis 2025 hatten.  

Die SAP kam den Kunden infolgedessen entgegen und hat nun auf der einen Seite den Support für das ERP ECC 6.0 bis 2027 bzw. 2030 (gegen Gebühr) verlängert, sodass die Kunden länger Zeit für einen Wechsel haben. Auf der anderen Seite wurde das Stock Room Management innerhalb der S/4HANA-Welt etabliert.  

Die Qual der Wahl: Warehouse Management (WM), Stock Room Management, embedded EWM oder dezentrales EWM?

Nun stehen die Unternehmen vor der schwierigen Entscheidung, welchen Weg sie mit einer SAP S/4HANA-Einführung gehen möchten. Der Blumenstrauß der Möglichkeiten ist deutlich gewachsen. Der Kunde muss sich nun die Frage stellen: „Mit welcher Lösung möchte ich mein S/4HANA implementieren?“ Er kann die Wahl zwischen Warehouse Management (WM), Stock Room Management, embedded EWM oder dezentralem EWM treffen.  

Wenn wir mit unseren Kunden in die Vorgespräche gehen, wird oft erwähnt, dass sie von SAP EWM Abstand nehmen möchten. Die Komplexität von SAP EWM sei hoch und die Mitarbeiter:innen sollen nicht überfordert werden. Außerdem scheuen viele die vermeintlich hohen Kosten für die Lizenz. Sobald wir tiefer nachfragen, wird klar, dass manche Kunden gar nicht wissen, welche Vorteile der Einsatz eines SAP EWMs gegenüber einem SAP WM bieten kann.  

Unser Tipp: vor dem Umstieg ein klares Bild aller Pros und Contras von SAP WM und SAP EWM erarbeiten

Aus meiner Sicht ist es empfehlenswert, mit den Kunden einen halbtägigen Workshop zu vereinbaren, bei dem ein:e Berater:in die Unterschiede zwischen SAP WM und SAP EWM darstellt und am Ende sogar ein neues Zielbild erarbeitet. Genau hier möchte ich auch in meinen Blog ansetzen und die Unterschiede zwischen SAP EWM und SAP WM mit ihren Vor- und Nachteilen aufzeigen. Mein Ziel ist es, einen besseren Eindruck zu vermitteln, was es bedeutet, sich für SAP EWM oder SAP WM zu entscheiden. Am Ende gibt es nicht die einzig wahre Lösung. Auch hybride Modelle sind möglich. Ich empfehle, Lager für Lager zu analysieren und sich jeweils für einen Weg zu entscheiden. 

In den folgenden Abschnitten vergleiche ich speziell das embedded EWM mit dem WM. Die SAP strebt zwar eine Funktionsgleichheit zwischen einem embedded EWM und einem dezentralem EWM an, jedoch gibt es einzelne Funktionen, die es im embedded EWM gibt, die in einem dezentralem SAP EWM nicht möglich sind. Das liegt einzig allein an der Tatsache, dass das embedded EWM auf der gleichen Instanz wie das S/4HANA läuft, um auch Synergien nutzen zu können. 

SAP EWM versus SAP WM – alle Bezeichnungen und Organisationseinheiten

Zunächst gibt es bereits signifikante Unterschiede in der Benennung von Organisationseinheiten, sowie von diversen Objekten.  

Grundsätzlich werden im SAP EWM für die Lagernummer, Lagertypen und Lagerbereiche vierstellige Nummern verwendet. Für Lagerplätze kann man sogar 18 Stellen, statt zehn ausreizen. Die neue Besonderheit bei Lagerplätzen liegt darin, dass diese innerhalb der Lagernummer eindeutig sind und es nicht möglich ist, die gleiche Lagerplatznummer zweimal zu vergeben. 

Aus Gewohnheit sprach man im SAP WM von Werken und Lagerorten. In SAP EWM wird nicht mehr vom Werk, sondern vom Verfügungsberechtigen, der einen Business Partner darstellt, gesprochen. Lagerorte werden als Verfügbarkeitsgruppe dargestellt.

WM embedded EWM
Plant party entiteled to dispose (Verfügungsberechtigter)
Storage location Availibility group
Stock type Stock type
Supply-Chain-Unit

Gegenüberstellung der Organisationseinheiten

Neue Begrifflichkeiten im SAP EWM

Die bekannten Bezeichnungen „Transportauftrag”, „Transportbedarf” und „Lagereinheit” sind im SAP EWM ebenfalls nicht mehr vorhanden. Hier wird von „Anlieferungen” und „Lageraufgaben” gesprochen. Jedoch wurde mit SAP EWM das neue Objekt „Lagerauftrag” eingeführt. Ein Lagerauftrag kann mehrere Lageraufgaben besitzen und bildet somit die Klammer für Lageraufgaben. Eine oder mehrere Lageraufgaben werden zum Lagerauftrag als Position zugeordnet. 

Für die Palettierung und das Bilden einer Lagereinheit in SAP WM werden in der Lagerverwaltungssicht 2 die Mengen und die Mengeneinheit hinterlegt und im Prozess abgerufen. In SAP EWM wird zukünftig über Packspezifikationen und der in SAP bekannten Konditionstechnik der Verpackungsprozess unterstützt. Das macht Letzteren nun flexibler. 

Zusätzlich gibt es die Organisationseinheit „Arbeitsplatz“, die über einen Lagertyp abgebildet wird. Darüber wird z. B. der Verpackungsprozess abgebildet. 

Für das Ressourcenmanagement gibt es nun das Objekt „Ressource“, die einen Mitarbeiter oder ein Fördermittel (z. B. Stapler) abbildet, sodass man u. a. auch die Bestände auf einer Ressource führen kann. Die Ressource ist die Voraussetzung für die Nutzung der RF-Applikationen. 

WM embedded EWM
Transport requisition Inbound delivery
Transport order item Warehouse task
Transport order Warehouse order
Storage unit qty Packing specification
- Work center
- Ressource
Storage unit Handling unit

Gegenüberstellung der Objekte

Ein genauer Blick ins neue System

2. Business Partner
Sowohl bei den Materialstammdaten als auch bei den Lieferanten/Kunden gibt es Veränderungen. Grundsätzlich wird auf einem S/4HANA-System mit Business Partnern gearbeitet, sodass es nur noch eine Nummer für einen Partner gibt. Die Unterscheidung zwischen Lieferanten oder Kunden erfolgt über sogenannte Rollen und wird zentral über die Transaktion „BP” gepflegt.

Display Pflege Business Partner
Transaktion BP - Pflege Business Partner
blog_2021Sep_b3_content02
Wegfall der CIF-Schnittstelle durch die Nutzung von Business Partner

2. Materialstammdaten
Der wesentliche Unterschied zwischen SAP WM und SAP EWM besteht bei den Materialstammdaten. Das SAP WM wird heute ausschließlich über die Transaktion MM01 (Lagerverwaltung 1 und 2) abgedeckt. Im SAP EWM kann man zweigleisig fahren: Eine Option ist, bestimmte Daten über die Transaktion MM01 (WM Excecution/WM Packaging) zu pflegen. Die andere Option ist, die Stammdaten über die SAP EWM-Transaktion /SCWM/MAT1 zum SAP EWM zu pflegen.  

Die Daten aus der MM01 werden nach dem Speichern auch automatisch in das SAP EWM transferiert, sodass diese auch in der /SCWM/MAT1 ersichtlich sind. Möchte man jedoch zum Beispiel ein Einlagertypkennzeichen für das Material festlegen, muss die Pflege über SAP EWM erfolgen. Sobald klar wird, welche Felder gepflegt werden müssen, sollte ein Konzept erarbeitet werden, aus dem ersichtlich wird, in welcher Transaktion welches Feld gepflegt werden muss. 

Der Austausch der Stammdaten zwischen SAP ERP und SAP EWM findet auch nicht mehr wie gewohnt über das CIF (Core Interface) statt. Dies ist mit S/4HANA überflüssig geworden.

MM01:

Display Pflege EWM-Stammdaten in Transaktion
Pflege der EWM- Stammdaten in der Transaktion MM01

/SCWM/MAT1: 

Display Pflege EWM Lagerdaten
Pflege der EWM-Lagerdaten in der Transaktion /SCWM/MAT1

3. Packspezifikationen
Bisher wurden im SAP WM die Palettierungsdaten für Lagereinheiten im Materialstamm gepflegt. Mit SAP EWM wird ein neuer Weg eingeschlagen. Die SAP setzt auf die flexible Konditionstechnik, um Handling Units im SAP EWM zu bilden. Mit der Transaktion /SCWM/PACKSPEC ist es möglich, alle nötigen Infos, (HU-Typ = Lagereinheitentyp, Gewicht, Abmessungen, Anzahl, Packmittel) für den Verpackungsprozess zu hinterlegen. Die Funktion ist etwa vergleichbar mit der aktuellen Verpackungslogik für das Handling Unit Management im ERP-System, bei der man die Packvorschriften bzw. -findung über die Transaktion POF1 und POP1 für den Verpackungsprozess verwendet.

Display EWM-Packspezifikationen
Pflege der EWM-Packspezifkation - Transaktion /SCWM/PACKSPEC

Wir sind für Sie da!

Sollten auch Sie an einen Umstieg denken, lassen Sie uns es wissen. In unserem nächsten Artikel werden wir uns genauer ansehen, wie die Prozessabläufe und Funktionen im Vergleich SAP EWM versus SAP WM aussehen. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre betrieblichen Abläufe effizienter, transparenter und kostensparender zu gestalten und damit Ihre Lieferketten zu verbessern. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann Setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.

Wenn Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen in diesem Blog haben, wenden Sie sich bitte an blog@leogistics.com.

Daniel Rotter,
Senior Consultant SAP Logistics 

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