SAP S/4HANA 2020 FPS01: viele neue Funktionen auf Lager

Frank Meier

Frank Meier

Was steckt Neues im SAP S/4HANA 2020 FPS01 Release? (Teil 2/2)

Am 24. Februar 2021 stellte die SAP SE das neue S/4HANA 2020 FPS01 Release der Öffentlichkeit vor. In unserem Beitrag “SAP S/4HANA 2020 FPS01: SAP TM und EWM verbessern Schnittstellenkommunikation” haben wir bereits die Vorteile und Neuerungen für den Transportation Management-Bereich vorgestellt. 

Das FPS01 bietet aber nicht nur neue Möglichkeiten für das TM, sondern auch auf der anderen Seite der Lagertore bekommen wir für das EWM einen Schwung interessanter Erweiterungen. So adressiert die SAP manch wichtigen Punkt, über den wir bisher in unserem Berufsalltag gestolpert sind. Gerne möchten wir Ihnen einige davon im Folgenden erläutern.

Advanced Shipping and Receiving im SAP EWM

Eine der spannendsten Neuerungen des Releases ist das Advanced Shipping and Receiving (ASR). Die erleichterte Zusammenarbeit durch die verbesserte Datensynchronisation zwischen SAP TM und SAP EWM haben wir Ihnen bereits beschrieben. Die Replizierung der Frachtaufträge als Transporteinheiten ist damit nicht mehr nötig. Stattdessen können wir direkt auf dem TM-Frachtauftrag arbeiten (und haben somit Zugriff auf das Advanced Shipping and Receiving). Im ersten Schritt ist dies aber nur auf einem „embedded“ System möglich, was die SAP unter dem Motto „keine Datenreplikation notwendig“ verkauft. Spannend wird es im Jahr 2022, wenn diese Objektteilung auch auf Standalone-Systemen laufen soll.

Grafische Darstellung Advanced Shipping and Receiving deutsch
SAP TM kommuniziert nun direkt mit SAP EWM - die Transportation Unit wird obsolet.

Im Handling der Trucks wirkt sich die Nutzung des Frachtauftrags („Freight Order“) so aus, dass ein Truck an einer Ladestelle nun sowohl ent- als auch beladen kann. Die Freight Order kann zudem nun auch einen EWM- und zeitgleich einen MM-IM-verwalteten Lagerort beinhalten, um z. B. Produktionsstandorte bedarfsgerecht zu beliefern. Beide Lagerorte teilen sich in dem Szenario eine Ladestelle.

Die tatsächlichen Buchungstätigkeiten können Lagerlogistiker über neue bzw. angepasste User Interfaces durchführen. Dabei verspricht die SAP nicht nur passende GUI- und Fiori-Transaktionen, um z. B. ein Tor zuzuweisen oder den Ladestatus zu setzen, sondern auch neue RF-Transaktionen für die weiterhin beliebten MDE-Geräte. Durch die Bearbeitung der Frachtaufträge im Lager werden diese Objekte zudem mit EWM-spezifischen Feldern erweitert, um den Aufgaben der Lagermitarbeiter gerecht zu werden. Alle relevanten Veränderungen sind durch die Bearbeitung auf dem Frachtauftrag auch direkt im TM einsehbar.

Nicht ganz so im Vordergrund stehen die Einschränkungen, die nicht mit dem FPS01 abgedeckt werden. Dazu gehört die Abbildung von Lagerbestand auf TU-Ebene, eine Verladung eines Frachtauftrags mit einer Ad-hoc-Frachteinheiten-Zuweisung sowie eine Ladeplanung vor dem Packen und Bereitstellen der HUs. Zudem ist das EWM Yard Management auf die Tätigkeiten „Check-In“ und „Ankunft am Tor“ beschränkt. Wenn Sie solche Beschränkungen umgehen möchten und ihr Yard zukunftsfähig verwalten wollen – schreiben Sie uns gerne an.

Viele Verbesserungen des EWM auch in Kombinaion mit ERP und QM

Das FPS01 2020 hilft dem EWM nicht nur bei der Kommunikation mit dem TM, sondern auch mit dem ERP und dem QM. Die SAP scheint hier auf vielerlei Wünsche ihrer Kundschaft eingegangen zu sein, die auch wir aus unserem Projektgeschäft kennen.

Die Standardtransaktion MIGO bucht zukünftig zu einer externen Beschaffung synchron einen Wareneingang im EWM. Wenn diese Buchung im EWM auf einen Fehler läuft, taucht dies nicht mehr in der Queue auf, sondern wird dem Mitarbeiter direkt in der MIGO als Fehlermeldung ausgegeben. Clever ist hierbei auch die Möglichkeit, den Wareneingang in einen MM-IM-Lagerort mit einem EWM-Lagerort in einer Buchung zu mischen.

EWM zeigt nun regelmäßig die genauen Liefermengen an.
EWM zeigt nun regelmäßig die genauen Liefermengen an.

Nutzer der Logistics Execution können sich darüber freuen, dass durch die direkte Synchronisierung die genauen Liefermengen aus dem EWM fortgeschrieben werden. So sehen die Endanwender bereits bei der Mengenanpassung im EWM die entsprechende Änderung bei sich im System – und nicht wie bisher erst bei der Buchung des Warenausgangs.

Für das Qualitätsmanagement auf dezentralen EWM-Systemen kommt jetzt ein Feature, das bisher nur auf „embedded” Systemen lief: „Auf Kostenstelle verschrotten“ und „als Musterverbrauch ausbuchen“ können nun als Folgeaktion für entsprechende Verwendungsentscheide definiert werden.

Die folgenden Erweiterungen sollen die Chargenverwaltung im dezentralen EWM erleichtern und die Datenkonsistenz zwischen ERP und EWM verbessern: Zum einen werden neu angelegte und geänderte Chargenstämme direkt über das ALE-Framework verteilt, ohne die Verwendung von Änderungszeigern. Die SAP verspricht, dass hierdurch bestehende Lösungen nicht angepasst werden müssen. Anstoß für die Verteilung ist die Änderung auf der Datenbank selbst und nicht die Transaktion oder der Job, in der die Charge bearbeitet wird.

Die integrative Chargenbearbeitung wird noch weiter aufgebohrt: Im SAP EWM werden die Transaktionen MSC1N und MSC2N zum Anlegen und Ändern von Chargenstämmen bereitgestellt. Endlich können die Lagermitarbeiter bei der Inventur eine neue Charge aufnehmen, die zuvor im System noch nicht vorhanden war – natürlich mit einer Synchronisierung in den ERP-Chargenstamm.

Reduzierte Kosten bei Neueinführungen Dank Fiori App

Die nächste Neuerung hilft insbesondere die Kosten von Neuimplementierungen, sowohl von „embedded“, wie auch von dezentralen SAP EWM, zu senken, indem Entwicklungsaufwand verringert wird: Im Materialstamm können zusätzliche Stammdatenfelder kundenspezifisch ergänzt werden. Hierfür wird eine Fiori App bereitgestellt, in der die Felder in den Lagertyp- und/oder Lagerdaten ergänzt werden können. Aus unserer Sicht ist dies zwar eher ein kleiner Punkt, der aber für die meisten Kundenprojekte eine praktische Hilfe darstellt.

Jeder Mensch, der sich schonmal mit Packspezifikationen beschäftigt hat, wird sich auch über folgenden Punkt freuen: Mit dem neuen Feature Pack können endlich Massenänderungen an den PackSpecs vorgenommen werden. Die zermürbenden Wiederholungen von hunderten identischen Eingaben gehören damit hoffentlich der Vergangenheit an.

Massenänderungen an PackSpecs vornehmen
Massenänderungen an PackSpecs vornehmen

Zusammenfassend sehen wir die vorgestellten Features des SAP S/4HANA 2020 FPS01 als sinnvolle und praxisnahe Erweiterungen für das SAP EWM-System an. Sowohl Neuimplementierungen, nachfolgende Prozessanpassungen sowie das Tagesgeschäft profitieren.

Wir sind für Sie da

Abschließend kann man sagen, dass vor allem das Advanced Shipping and Receiving den größten Einfluss auf zukünftige Projekte haben wird. Die SAP passiert damit einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung und Verschmelzung von Transport- und Lagerprozessen und geht den nächsten Schritt zur integrierten Supply Chain. Es lohnt sich, die Neuerungen der S/4HANA 2020 FPS01 genauer zu betrachten. 

Sollten auch Sie an einen Umstieg denken, lassen Sie uns es wissen: Die SAP sucht für Advanced Shipping and Receiving noch nach Early Adoptern. In diesen Programmen bietet die SAP einen direkten Draht zu den Entwicklern der Anwendungen. Gern helfen wir Ihnen dabei, daran teilnehmen zu können. Wir unterstützen Sie auch dabei, Ihre betrieblichen Abläufe effizienter, transparenter und kostensparender zu gestalten und damit Ihre Lieferketten zu verbessern. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann sprechen Sie uns gerne an. 

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich an blog@leogistics.com.

Frank Meier 
Jens Arndt
Consultants SAP Logistics

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