“Baustelle 4.0“: Warum sich die Baustellenlogistik der Digitalisierung stellen muss

André Käber

André Käber

Hochkomplexe Anforderungen erfordern zeitgemäße Anpassungen auf Baustellen

Stetiger Zeitdruck, hoher Maschinentransfer und Geräuschpegel – der Arbeitsalltag auf der Baustelle ist oftmals stressig und nervenaufreibend. Zudem verläuft längst nicht immer alles nach Plan. Im Unterschied zu industriellen Prozessen besteht die Besonderheit einer Baustelle in ihrem Umfeld, das nicht nur hochkomplexe Anforderungen darstellt, sondern sowohl örtlich als auch zeitlich stets veränderlich ist. Teil davon sind individuelle Auftragnehmer und ein häufig inhomogener Technologieeinsatz sowie die hohe Frequenz ein- und ausfahrender LKW, bedingt durch verschiedene Baustoffanlieferungen und -abtransporte. Um das für Innenstädte typisch hohe Verkehrsaufkommen dabei nicht komplett zum Erliegen zu bringen, gilt es, LKW-Rückstaus zu vermeiden. Doch das gelingt nicht immer und die starke Fragmentierung sowie das Fehlen einheitlicher Schnittstellen zur Dokumentation und Koordination führen häufig zu großen Effizienz- und Qualitätsdefiziten.

Städtebauliche Veränderungen als zusätzliche Herausforderung

Man könnte erwarten, der allgemeingültige, technologische Fortschritt müsste auch auf Baustellen zur wesentlichen Verbesserung der Arbeitsabläufe beigetragen haben. Doch stattdessen sind die Anforderungen und das Arbeitsaufkommen in den vergangenen 30 Jahren immens gestiegen. Gebäude werden immer höher, Fassaden immer vielfältiger, Abstände immer geringer – die Devise lautet maximale Flächennutzung bei minimalem Ressourcenverbrauch. So lassen sich Dächer noch zur Gemeinschaftsfläche ausbauen und unter die Bodenplatte passt eine weitere Tiefgarage. Diese städtebaulichen Beispiel-Trends machen deutlich, mit welchen zusätzlichen Herausforderungen sich die Branche konfrontiert sieht. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und -nehmern sowie den Bauunternehmen ist daher unerlässlich und betont die Relevanz einer umfangreichen, präzisen Logistikplanung, die die gesamte Bauphase begleitet.

Mit vorausschauender Planung und den richtigen Tools Kosten reduzieren

Um die einzelnen Arbeitsphasen chronologisch und fristgerecht abwickeln zu können, sind eine ausreichende Planungszeit und Kalkulation unabdingbar. Der Einsatz eines Zeitfenstermanagement zum Handling von Anlieferungen und Abholungen sowie eines Yard-Managements zur physischen und bestandstechnischen Abbildung von Material und Equipment stellen dabei wertvolle Instrumente dar. Dazu gehören beispielsweise die konkrete Abmessung des Materials oder die Bestimmung von Lagerflächen, die ausschließlich baustellenspezifischen Zwecken vorbehalten sind. Darüber hinaus können mithilfe eines Behältermanagements beispielsweise Equipment und weitere benötigte Assets für eine Baustelle organisiert werden. Aber auch mögliche Leihgebühren, benötigte Straßenbereiche oder Hebehilfen gilt es vorab zu berücksichtigen. Mit einer vorausschauenden Planung können nicht nur Kosten, Zeit und Aufwand eingespart, sondern auch alle notwendigen Maßnahmen für Arbeitsschutz und -sicherheit in ausreichendem Umfang ergriffen werden.

Digitale Services und Produkte können die Abläufe auf Baustellen vereinfachen

Ob Bauunternehmen, Telekommunikationsdienstleister oder Hersteller von Bau- und Baustoffmaschinen, auf Baustellen sind viele verschiedene Anbieter und Hersteller vertreten. Um die Zusammenarbeit und damit die Effizienz der einzelnen Abläufe steigern zu können, ist eine stärkere Verzahnung der einzelnen Akteure essenziell. Dies wird maßgeblich durch schlanke, nachvollziehbare und transparente Abläufe gefördert. Hier kommen smarte Produkte und Services ins Spiel.

Von Zeitfenster- und Ressourcenmanagement über Zulaufsteuerung, individualisierbare Checklisten und weitere Schnittstellen bis hin zur mobilen App als Kommunikationshilfe oder der Dokumentation von CO2-Emissionen – die digitalen Möglichkeiten heutzutage sind vielfältig. Mithilfe der Avisierung von Anlieferungen auf der Baustelle beispielsweise können Lieferanten vorab ankündigen, wann welche Materialien auf der Baustellen eintreffen werden und in einem zweiten Schritt konkrete Zeitfenster für die LKW-Fahrer:innen buchen und so der Bildung von Warteschlangen vor Kränen, Aufzügen und Pumpen entgegenwirken. Vorab wird, sofern integriert, eine automatische Ankunftsmeldung durch die Telematik des Zulieferers ausgelöst. Dabei wird die Ankunft mobil erfasst und schließlich die jeweilige Ladung dokumentiert.

Sollte es zu einer Verschiebung der Zeitfenster kommen, kann aufgrund der kontinuierlichen Anpassung der LKW-Abfertigung an die realen Gegebenheiten schnell auf Änderungen reagiert und Zeitfenster flexibel umgeplant werden. Die Leitung des Bauverkehrs begünstigt so eine möglichst geringe LKW-Durchlaufzeit und eine optimierte Be- und Entladung, die sich auch positiv auf die Sicherheit aller Prozesse auswirkt. Die Auswahl und Implementierung der jeweiligen Services und Produkte erfolgt in der Regel stets individuell und kann kontinuierlich angepasst werden.

4.0 - Weiterentwicklung der Baubranche

Mittlerweile gibt es diverse Forschungsprojekte, wie Bauen 4.0, Planen Bauen 4.0 oder Fahrerleitsystem 4.0, die die Weiterentwicklung und Digitalisierung der Baubranche vorantreiben. Hierbei stehen unter anderem die Transformation von der klassischen über die dynamische Wertschöpfungskette bis hin zu einem dynamischen Supply-Chain-Netzwerk im Vordergrund. Durch die intelligente Verknüpfung von Kommunikation und digitaler Datenhaltung können neue Potenziale identifiziert und genutzt werden. So setzt das Förderprojekt Bauen 4.0 beispielsweise drei Schwerpunkte: die automatisierte, vernetzte Arbeitsmaschine, 5G-Technologien zur Kommunikationsfähigkeit und die Digitalisierung von Bauprozessen. Dabei geht es unter anderem um digitale Maschinenzwillinge, Fernbedienung von Mobilbaggern, neue Funkschnittstellen und Cloud-Technologien sowie Prozesssimulationen und Tracking & Tracing von Baumaterialien und -gerätschaften.

Wir sind für Sie da!

Die Baubranche steckt hinsichtlich einer ganzheitlichen Digitalisierung zwar noch in den Kinderschuhen, birgt jedoch großes Potenzial für den weiteren Ausbau. Um langfristig wettbewerbsfähig bleiben und auf dem Markt bestehen zu können, müssen Unternehmen noch heute anfangen, ihre individuellen, digitalen Möglichkeiten auszuloten und zu realisieren. Denn die Konkurrenz schläft nicht und es bleibt eine Frage der Zeit, bis sich das Thema „Baustelle 4.0“ flächendeckend durchgesetzt hat.

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