3 Fragen und Antworten zur Zukunft des Yard Managements

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Die besten Fragen und Antworten aus unserem Themenmonat zur Werkslogistik

Im Rahmen unseres Themenschwerpunkts #futureofyardmanagement haben wir uns einen Monat lang intensiv mit der Zukunft, den Herausforderungen und Lösungen des Yard Managements beschäftigt. Über unsere Social-Media-Kanäle haben Sie uns spannende Fragen rund um die Verantwortungsbereiche der einzelnen Logistikdisziplinen, Equipment-Tracking und die softwareseitige Abbildung von dynamischen Prozessanforderungen auf dem Werksgelände gestellt – und wir haben geantwortet. In diesem Artikel haben wir eine Auswahl der spannendsten Fragestellungen gesammelt und noch einmal für Sie zusammengefasst.

Interessen von Yard und Lager sowie jeweilige Verantwortungsbereiche

Andreas Löwe, Host des Podcasts „Irgendwas mit Logistik“, wollte wissen:
„Wie beeinflussen eigentlich die Prozesse vor dem Lager, also die Werksprozesse, das Lager selbst? Wo hört die Verantwortung des Lagers auf – und wo beginnt die der Hoflogistik?“

André Käber, CEO leogistics GmbH: Die Antwort scheint zunächst recht einfach beantwortet zu sein: Der Übergabepunkt der Ware stellt die Schnittstelle von Lager und Werkslogistik dar, und das ist meist das Tor oder die Rampe. Näher betrachtet stellen wir jedoch in vielen Fällen fest, dass die Prozesse im Yard tiefer ins Lager hineinreichen. Was determiniert die Kapazität der Be- und Entladebereiche? Sind es Gegebenheiten wie die Anzahl der Tore oder die Verfügbarkeit des Personals?

Matthias Kraus, Consulting Director SAP EWM leogistics GmbH: Genau! Interessant ist, wie schnell das Lager Ware zum richtigen Zeitpunkt in der korrekten Ladesequenz bereitstellen und auf veränderte Beladereihenfolgen und geänderte Packstückzahlen reagieren kann. Welche Transportmittel sollten wann mit welcher Priorität zur Rampe gerufen werden? Welches Equipment wird wo benötigt? Welche Ressourcenkapazität muss auf Basis des zugrunde liegenden Workloads vorgehalten werden, um die zeitlich passende Abarbeitung sicherzustellen? All dies mit dem Ziel, synchronisiert mit Teilprozessen den Gesamtprozess zu unterstützen. Die Verantwortung des Lagers ergibt sich somit aus der Taktung und Planung des Yards. Dies gilt auch für die Warenannahmeszenarien. Sowohl Yard als auch Lager haben dabei dasselbe Grundinteresse: effiziente und abgestimmte Bearbeitung ihrer Aufgaben – denn nur wenn beide Komponenten harmonieren, resultiert daraus der reibungslose Gesamtablauf.

André Käber: Historisch gesehen wurden Hoflogistik-Projekte häufig aus dem Lager heraus initiiert. Erst in den letzten Jahren hat sich das Yard Management zwischen der Lagerverwaltung und dem Transportmanagement als eigene Disziplin etabliert. Den Pförtner:innen wurden immer komplexere Aufgaben übertragen. Neben dem reinen Check-in und Check-out führen sie Sicherheitsunterweisungen und Checks aus. Und sie übernehmen in vielen Fällen eine koordinierende Rolle: Wer wird nach dem Check-in direkt zum Tor geschickt? Wer kommt ohne Avisierung und muss erst einmal zu einem Wartebereich fahren?

Matthias Kraus: Die Antwort ist also doch nicht so einfach und die Verantwortung eines gut orchestrierten Prozesses auf dem Werksgelände hat folglich mehr als eine Ebene: Auf der physischen ist es der Übergabepunkt in das Lager oder an das Transportmittel. Aber zum Prozess gehört auch die Informationsebene. Da reichen die Prozesse weit über die Be- und Entladeprozesse hinaus – und damit in angrenzende Bereiche wie Transportmanagement hinein. Mit einem konsistenten und durchgängigen Informations- und Datenfluss wird ein end-to-end Prozess erreicht, der auf Abweichungen in einem bestimmten Prozessbereich flexibel reagieren kann.

Gibt es eine Möglichkeit, Stapler zu tracken?

Folgende anonyme Frage erreichte uns via Instagram:
„Hallo, bei uns auf dem Werksgelände sind überall Elektrostapler verteilt. Diese werden quasi von jedem genutzt und dann nach Gebrauch am letzten Einsatzort stehen gelassen. Nun ist es aber so, dass wenn man mal einen Stapler benötigt, man erstmal suchen muss (unser Gelände ist wegen der vielen Regale alles andere als überschaubar) und wenn man Pech hat, ist auch noch der Akku leer. Habt ihr da eine Möglichkeit, die Stapler zu tracken? Und könnt ihr das auf einer Karte darstellen? Am besten wäre noch, wenn zu sehen wäre, wie der Akkustand ist.“

Mirko Hartig, Associate Consultant IoT leogistics GmbH: „Ja, sicher gibt es die! Die Lokalisierung von Gabelstaplern auf dem Werksgelände ist mittels Bluetooth-Tags relativ einfach möglich. Diese werden zunächst an den Staplern angebracht. Auf dem Werksgelände werden dann zur Nachverfolgung der Tags sogenannte Lokalisatoren verteilt. Diese ermitteln die genaue Position der Tags, also die der Stapler, und geben die Informationen an eine Software, z. B. eine Yard-Management-Lösung weiter. Diese wiederum ermöglicht beispielsweise eine Darstellung der Stapler auf einer Karte. Ein Blick auf diese und die Sucherei hat ein Ende. Aber es geht noch mehr: Mit Hilfe der Bewegungsdaten der einzelnen Stapler kann man feststellen, wo sich diese am meisten aufhalten und als Folgerung daraus ggf. die Ladestation dort platzieren. Oder man nutzt die Daten der gesamten Fahrzeit, um Serviceintervalle zu erkennen.“

Alessio Meloni, Solution Architect IoT & Automatisierung leogistics GmbH: „Auch wäre es möglich, viel befahrene Abschnitte zu identifizieren und damit ggf. Staus an solchen Engpassstellen zu verhindern. Und damit die Akkus der Stapler nicht zu ungünstigen Zeitpunkt leer sind, kann man kann den Tags auch Informationen wie den Akkuladestand mitgeben. Dafür wäre lediglich eine Schnittstelle zwischen Bluetooth-Tag und Akkuladestandssteuerung nötig. Die Tags selber können auch Telemetriedaten vom Diagnose-Port (z. B. OBD) weiterleiten oder – gerade für Gabelstapler sehr interessant – Erschütterungen wahrnehmen und an die Yard-Management-Lösung übermitteln.“

Mit unserer Process-as-a-Service-Plattform myleo / dsc ist das Tracking von Assets wie Staplern im Yard ohne weiteres möglich. Tatsächlich können wir Ihnen in Kooperation mit unserem Partner Quuppa ein Gesamtpaket aus Software und Hardware aus einer Hand anbieten.

Dynamik von Prozessen und Bedeutung von Kommunikation & Interaktion zwischen den Beteiligten

Oliver Hanke, Geschäftsentwicklung / strategische Projekte bei unserem Kunden Evonik Logistics Services GmbH hat uns gefragt:
„Gibt es aus Sicht der leogistics GmbH einen Trend/eine Überlegung oder einen Fahrplan, wie die teilweise sehr dynamischen Prozessanforderungen zukünftig im Yard Management abgebildet werden können? Zudem wird das Thema Kommunikation und Datenaustausch zwischen eingesetzten operativen Systemen stark wachsen. Sieht die leogistics GmbH dies ebenfalls als maßgeblichen Faktor in der weiteren Entwicklung der Yard-Management-Lösung?“

Christiaan Carstens, Mitglied der Geschäftsleitung leogistics GmbH: „Kommunikation, Zusammenarbeit und eine große Flexibilität bezüglich Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Systemen sind für uns die Schlüsselfaktoren für ein zukunftsfähiges Yard Management. Denn gerade auf dem Werksgelände kommen so viele Akteure zusammen, dass die transparente Kollaboration und der digitale Informationsaustausch essenziell sind. Dabei dürfen das Personal und die externen Dienstleister bei der Transformation nicht vergessen werden, denn der Prozess ist immer nur so gut wie die Handhabbarkeit durch die Menschen vor Ort.“

Andre Käber: „Das sehe ich genauso. Um den hochdynamischen Anforderungen auf dem Werksgelände gerecht zu werden, muss es künftig heißen: Weg von starrem Customizing, hin zu flexibler Konfiguration! Ein Ansatz dafür können Regelwerke in der Prozessmodellierung (wenn – dann) sein, die es ermöglichen, unterschiedliche Folgeaktivitäten anzustoßen. Der Nachteil: Jede Eventualität muss per Regel festgehalten werden und Stammdaten müssen sich im Prozess dynamisch erzeugen lassen. Grundsätzlich bedarf es kurzer Lead-Zeiten, um neue Szenarien in die Software zu bringen. Dies ist bspw. dank No- bzw. Low-Code-Technologie schon heute ohne weiteres möglich.“

Christiaan Carstens: „Industrieübergreifend erkennen wir derzeit zudem verschiedene neue Anforderungen und Trends. Dabei stehen die Themen Automatisierung, Echtzeitdaten, Kollaboration und Integration in einem Spannungsfeld zu flexiblen und sehr spezifischen Anforderungen je nach Anforderungsbereich im Yard. Vor allem die Aspekte Ladestellensteuerung und Engpassoptimierung stehen bei großen Standorten gerade im Fokus. Wir sehen hier eine ganzheitliche Perspektive auf operative Prozesssteuerung, Abfüllsteuerung und eine enge Integration der Logistikdienstleister durch Bereitstellung von Telematik- oder Statusinformationen als Lösungsansatz.“

André Käber: „Unter dem Strich ist ein Kompromiss zwischen geringen Warte- und Standzeiten und einem höheren Durchsatz an der Ladestelle zu erzielen. Um hier eine optimale Strategie zu finden, ist es wichtig, Daten sinnvoll zu nutzen, Muster zu erkennen, und auch Wegzeiten auf dem Hof selbst exakt bestimmen zu können. Dabei spielen Tageszeit und Baumaßnahmen etc. ebenso eine Rolle wie die aktuelle Kapazitätsauslastung der Ladestelle und das zu verladende Produkt.“

Wir sind für Sie da!

Vielen Dank für die spannenden Fragen – wir hoffen, wir konnten weiterhelfen. Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Yard Management oder der Zukunft der Logistik haben, melden Sie sich gerne jederzeit unter blog@leogistics.com.

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