Mit Process Mining zur strategischen Klarheit in der Transformation
Mit der Abkündigung von LE-TRA rückt die Notwendigkeit einer fundierten Transformationsstrategie zunehmend in den Mittelpunkt. Die Mainstream-Wartung der SAP Business Suite 7 endet zum 31.12.2027, eine optionale Extended Maintenance ist bis Ende 2030 möglich. Für viele Unternehmen bedeutet das konkret: Die bisherige LE-TRA-basierte Transportabwicklung muss abgelöst werden. Das betriebliche Risiko verlagert sich zunehmend auf die Unternehmen selbst – strategische Entscheidungen werden unumgänglich.
Als Nachfolgeoptionen kommen – je nach Zielbild und technischer Architektur – SAP S/4HANA Transportation Management (in der Basic- oder Advanced-Variante) oder perspektivisch auch SAP Logistics Management in Frage.
Bevor jedoch über Produkte, Lizenzen oder technische Roadmaps diskutiert wird, stehen grundlegende Fragen im Raum: Welche Transportprozesse sind heute tatsächlich im Einsatz? Werden SAP-Objekte korrekt verwendet oder haben sich über die Jahre manuelle Workarounds etabliert? Wo liegen Optimierungs- und Automatisierungspotenziale? Und vor allem: Wohin soll sich die Transportlogistik strategisch entwickeln?
Process Mining als Ausgangspunkt: SAP Signavio schafft Transparenz
Gerade in den frühen Phasen einer Transformation der operativen Logistik bietet nicht ein weiteres Workshop-Format den größten Erkenntnisgewinn, sondern eine objektive, datenbasierte Analyse der realen Prozessausführung. Mit SAP Signavio Process Insights und Process Intelligence (Process Mining) lässt sich nachvollziehen, wie Transportprozesse im LE-TRA-System tatsächlich ablaufen – inklusive Prozessvarianten, Schleifen, Wartezeiten und manuellen Eingriffen.
Typische Muster im Transportprozess - sichtbar durch Process Mining
Beispiel 1: Geringe Konsolidierung - „eine Lieferung, ein Shipment“
In gewachsenen LE-TRA-Landschaften ist häufig eine sehr einfache Transportlogik zu beobachten: Jede Lieferung wird unmittelbar als einzelnes Shipment verarbeitet. SAP Signavio macht solche Muster sichtbar – zum Beispiel durch eine hohe Anzahl von Shipments bei gleichzeitig geringer Auslastung und uniformen Prozesspfaden ohne Optimierungslogik. Die über Jahre gewachsene Praxis wird zur Betriebsblindheit – Process Mining hingegen bietet eine neutrale Datenbasis für eine zielgerichtete Prozessentwicklung.
Beispiel 2: Manuelle Bearbeitung als Automatisierungshemmnis
In vielen Fällen zeigt die Analyse eine hohe Zahl manueller Eingriffe – etwa durch wiederholte Änderungen an Transportdaten, manuelle Zuordnungen oder aufwendige Nachbearbeitungen. Solche Prozessmuster spiegeln sich in hohen Rework-Raten und langen Durchlaufzeiten wider. Für die Readiness ist das ein zentrales Ergebnis: Viele dieser manuellen Tätigkeiten sind nicht fachlich notwendig, sondern Folge fehlender Automatisierung oder historischer Sonderlösungen.
Beispiel 3: Lange Durchlaufzeiten und verdeckte Wartezeiten
Ein weiteres Ergebnis aus dem Einsatz von Process Mining sind Zeitverluste innerhalb des Transportprozesses. Lange Zykluszeiten und standortbedingte Unterschiede werden deutlich sichtbar – Aspekte, die in klassischen Analyseformaten häufig untergehen. Besonders im Rahmen einer Greenfield-Implementierung können solche Wartezeiten durch klarere Verantwortlichkeiten und automatisierte Regelwerke reduziert werden.
Von der Analyse zum Zielbild: Prozessdaten fundiert interpretieren
Die durch SAP Signavio generierte Datenbasis ermöglicht eine faktenbasierte Diskussion über mögliche Zielprozesse. Erst durch die fundierte Interpretation lassen sich daraus tragfähige strategische Entscheidungen ableiten. Dabei geht es insbesondere um drei Aspekte:
Wo entstehen Verzögerungen und Ineffizienzen?
In welchen Bereichen kann SAP TM oder Logistics Management einen echten Mehrwert liefern?
Welche organisatorischen oder prozessualen Anpassungen sind erforderlich?
Ziel ist es, nicht nur eine technische Migration umzusetzen, sondern eine tatsächliche Leistungsverbesserung in den Transportprozessen zu erreichen.
Greenfield-Ansatz als Gestaltungsspielraum
Der Übergang von LE-TRA zu SAP TM oder Logistics Management ist kein klassisches System-Upgrade im Sinne eines Brownfield-Ansatzes. Vielmehr verändert sich die Objektstruktur grundlegend: Neue Belege, neue Prozesslogik, neue Integrationen. Auch wenn dies zunächst wie ein hoher Aufwand erscheint, bietet es die Möglichkeit, alte Komplexität gezielt zu reduzieren, Standards zu nutzen und Prozesse bewusst neu zu gestalten – statt historisch gewachsene Workarounds zu übernehmen.
Process Mining mit SAP Signavio zeigt dabei konkret auf:
Wo das größte Potenzial zur Automatisierung liegt
Welche manuellen Tätigkeiten besonders ressourcenintensiv sind
Entscheidend ist: Eine erfolgreiche Readiness-Phase trennt zwischen „so wurde es immer gemacht“ und „so sollte es künftig aussehen“ – auf Basis klarer Prozessdaten und Zielbilder.
Readiness-Struktur: Vom Ist-Zustand zur realistischen Roadmap
Eine strukturierte Readiness-Phase umfasst typischerweise folgende Schritte:
- Ist-Prozesse sichtbar machen: Analyse mit SAP Signavio Process Intelligence, Identifikation von Prozessvarianten, Engpässen und manuellen Schritten.
- Fachliche Bewertung: Einordnung der Analyseergebnisse im Kontext von LE-TRA-Prozessen, Organisationsstrukturen und Stammdatenqualität.
- Automatisierung priorisieren: Abgrenzung von Quick Wins und strategisch strukturellen Themen, wie z. B. Konsolidierungslogik oder Regelwerksdefinition.
- Zielbild ableiten: Definition der zukünftigen SAP-TM-Prozesslandschaft (Basic/Advanced) oder alternativer Optionen wie SAP Logistics Management - passend zu unternehmensspezifischen Anforderungen.
- Roadmap formulieren: Vorbereitung von Architekturentscheidungen, Integrationsszenarien, Lizenz- und Deployment-Strategien sowie der Projektumsetzung.
Auf Basis dieser Schritte lassen sich belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und ROI-Szenarien entwickeln. Ziel ist es, die neue Lösung nicht nur als technisches Folgeprojekt zu verstehen, sondern als strategisch sinnvolle Investition zu positionieren.
Ein strukturiertes Vorgehen erlaubt es, innerhalb von sechs Wochen ein konsistentes Zielbild zu entwickeln, das strategische Logistikziele mit den funktionalen und technischen Möglichkeiten der verfügbaren SAP-Lösungen abgleicht. Dabei wird eine belastbare Entscheidungsgrundlage für die passende Systemoption geschaffen – unter Berücksichtigung von Architektur, Integrationsanforderungen und betrieblichen Rahmenbedingungen. Die frühzeitige Klärung von Zielbild, Projektscope und Prioritäten ermöglicht eine effizientere Umsetzung: Erfahrungswerte zeigen, dass sich dadurch der Gesamtaufwand in Transport-Projekten um bis zu 30 Prozent reduzieren lässt.
Fazit: Der richtige Zeitpunkt für Weichenstellungen
Das Wartungsende von LE-TRA zwingt Unternehmen zum Handeln – gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, Transportprozesse grundlegend neu zu denken. Process Mining mit SAP Signavio ermöglicht frühzeitig die nötige Transparenz über reale Prozessverläufe, Varianten und manuelle Bearbeitungsschritte. Eine strukturierte Readiness-Phase schafft die Grundlage für belastbare Entscheidungen, um die Transformation gezielt und strategisch zu gestalten – nicht als bloßes Ersatzprojekt, sondern als echte Chance zur Verbesserung.
Wir sind für Sie da!
Sie interessieren sich für das Thema der SAP TM Readiness? Schicken Sie uns eine Mail unter info@leogistics.com.
Michael Rölli
Sales Manager SSCM


