Volle Fahrt voraus: Wie SAP EWM den Routenzug auf die Überholspur bringt

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Daniel Ermilow

Wie das Manufacturing-Logistics-Add-on die Routenzugsteuerung in der Produktionslogistik erweitert

In einer Welt, in der Just-in-Time und Just-in-Sequence die Norm sind, stößt die Produktionslogistik ohne digitale Unterstützung schnell an ihre Grenzen. Eine typische Produktionslinie läuft scheinbar perfekt getaktet: Jede Bewegung sitzt, jede Station kennt ihren Zeitpunkt. Auf der Produktionsstellfläche liegen genau die Teile bereit, die gebraucht werden. Nicht mehr nicht weniger. Zu volle Arbeitsplätze blockieren Wege, erschweren den Zugriff und kosten wertvolle Zeit. Gleichzeitig darf kein Material fehlen. Bleibt ein Bauteil aus oder kommt es zu früh, gerät der Ablauf ins Wanken. Maschinen warten, Mitarbeiter improvisieren, der Rhythmus der Linie bricht. Ob die Produktion im Fluss bleibt, entscheidet sich genau an dieser Stelle: an der Fähigkeit Überbestände zu vermeiden, die Stellfläche freizuhalten und den Linientakt zuverlässig sicherzustellen.

In vielen Unternehmen zeigt sich jedoch, dass die bekannte und integrierte Lösung für den Routenzug nicht immer ausreicht, um komplexe Lagerstrukturen effizient mit hochintegrierten Produktions- und Fertigungslinien zu verbinden. Gefragt sind präzise Just-in-Time-Abläufe, eine intuitiv bedienbare Fiori Benutzeroberfläche sowie umfassende Plan- und Steuerbarkeit. Hier setzt das lizenzpflichtige Add On Manufacturing Logistics an. Es erweitert den grundlegenden Routenzug in SAP EWM um zusätzliche Funktionen für eine durchgängige und transparente Steuerung der produktionsnahen Versorgung. Diese Lösung richtet sich vor allem an Unternehmen mit einem hohen Planungsbedarf in der Produktionslogistik. Dazu gehören unter anderem neue Fiori Apps zur operativen und planerischen Unterstützung, zusätzliche Knoten im Lagerverwaltungsmonitor, neue RF-Dialoge sowie eine systemseitig vollständig integrierte Darstellung des Routenzugs. Diese Transparenz verbessert die Nachverfolgbarkeit und erleichtert die Prozessüberwachung über den gesamten Ablauf hinweg.
Zum besseren Verständnis werden in diesem Bereich einige neue Begriffe definiert. „Loading Lane“ bezeichnet einen Lagerplatz, an dem kommissionierte HU abgestellt werden, bevor der Routenzug diese auf seinen Wagen zusammenstellt. „Mobile Racks“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Routenzug als eigener Lagertyp dargestellt wird und seine Positionen feste HU-Nummern haben. „Stops“ sind häufig Produktionsversorgungsbereiche oder Übergabepunkte, die zum Entladen des Routenzugs genutzt werden. „Route“ ist der Weg, der von einem Startpunkt zu einem Zielpunkt zurückgelegt wird. „Touren“ sind Datenelemente, die alle Informationen zur Planung und Durchführung des Bereitstellungsprozesses mit dem Routenzug enthalten.

Routenzugspezifische Stammdaten

Das Manufacturing-Logistics-Add-On verfügt über eigene Stammdaten-Apps, die im Fiori Launchpad (FLP) gepflegt werden müssen. Zu den wichtigsten zählen „Manage Stops“, „Manage Routes“ und „Manage Tours“. In „Manage Stops“ werden die Lagerplätze aufgelistet, die später potenziell als Stopps in verschiedenen Routen verwendet werden können. Über „Manage Routes“ lassen sich Stopps in der richtigen Reihenfolge festlegen. Außerdem werden dort Start- und Endlagertypen beziehungsweise -plätze gepflegt sowie weitere Spezifikationen für die Routen hinterlegt, wie zum Beispiel Strategien für die Erstellung und Zuweisung. Der geplante Ladebeginn sowie Abfahrts- und Ankunftszeit werden in „Manage Tours“ gepflegt. In dieser ist jede Tour einer bestimmten Route zugewiesen und bietet eine umfassende Transparenz über den Tourstatus, einschließlich einer Liste aller zugewiesenen HUs, des Tour-Vollständigkeitsgrades, des Lade und Entladestatus sowie einer Liste der geplanten Stopps.

Routenzugsteuerung mit SAP EWM

Der Routenzugprozess beginnt im Produktionsumfeld mit der Anlage eines Fertigungsauftrags, der EWM-relevante Komponenten enthält, und mit den erforderlichen Touren, die je nach Konfiguration manuell oder automatisch angelegt werden. Nach der WM-Bereitstellung des Produktionsauftrags werden die Bedarfe automatisch an das Warehouse Management übergeben. Hierzu repliziert das System einen passenden Beleg nach SAP EWM. Abhängig vom Szenario können dabei Umlagerungen, Produktionsmaterialanforderungen oder Umbuchungen als Belegart genutzt werden. Liegen die Bedarfe innerhalb der in den Touren definierten Zeitfenster, ordnet das System sie automatisch den jeweiligen Touren zu. Dies geschieht auf Positionsebene. Im Hintergrund greift die Konditionstechnik und sorgt anhand definierter Parameter für die Zuordnung der Route. Dazu zählen zum Beispiel Lagerprozessart und PVB.
Im nächsten Schritt wird der zeitliche Rahmen der Materialbereitstellung festgelegt. Hierfür werden die Bedarfe in konkrete Lageraufgaben überführt. Die dahinterliegenden Mechanismen der Lagerauftragserstellungsregel und der prozessorientierten Lagerungssteuerung bilden die logische Struktur, mit der sich der gesamte Routenzugprozess in SAP EWM sauber abbilden lässt.
Sobald die Lageraufgaben generiert sind, beginnt die operative Abwicklung im Lager. Der RF-Picker entnimmt die benötigten Materialien aus dem Lager und transportiert sie zur zugehörigen Loading Lane. Für diesen Schritt nutzt er die neue RF-Transaktion „ILO Picking“, ein Bestandteil des Add-Ons Manufacturing Logistics.
Nachdem die Ware an der Loading Lane bereitliegt, steigt der Routenzugfahrer über sein RF-Gerät in den Prozess ein. Er scannt die bereitgestellten Materialien und bestätigt dabei einen vordefinierten Startpunkt als Verifikation. Für das Verladen kommt die RF-Transaktion „ILO Loading“ zum Einsatz. Wichtig ist hierbei: Die Ressource des Pickers muss nicht identisch mit der Ressource des Routenzugfahrers sein, da beide prozesstechnisch unabhängig voneinander arbeiten.
Ist das Material vollständig verladen, setzt der Fahrer alle Positionen auf „verladen“ und beginnt seine Tour. Über die Fiori-App „My Tours“ erhält er auf seinem Tablet jederzeit eine aktuelle Übersicht über die Route, die nächsten Stopps und die Anzahl der zu entladenden Positionen je Stopp.
Am jeweiligen Verbrauchsort angekommen, entlädt der Fahrer die erste Position direkt am PVB. Dieser Ablauf wiederholt sich für jeden weiteren Stopp, bis schließlich der Endpunkt der Tour erreicht wird. Dort bestätigt der Fahrer das Tourende und der Kreislauf beginnt von vorn, indem unmittelbar die nächste Tour gestartet werden kann.
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Routenzug Flow

Monitoring Routenzug

Zusätzlich zur Möglichkeit, den Status der Touren über die Fiori App „Manage Tours“ zu überwachen, ergänzt die Implementierung des Add Ons auch einen Knoten im Lagerverwaltungsmonitor unter „Manufacturing Logistics“ und „Tour“. Dadurch wird es möglich, den Status aller Touren einzusehen und die Position jeder einzelnen HU nachzuverfolgen.

My Tours App in Fiori

Diese App bietet dem Fahrer einen umfassenden Fahrplan und Transparenz über die gesamte laufende Tour. Sobald das Beladen abgeschlossen ist, werden die Stopps in der richtigen Reihenfolge angezeigt. Der Fahrer steuert, welchem nächsten Stopp er anfährt und in welcher Reihenfolge die HUs auf den „Mobile Racks“ entladen werden. Dadurch verkürzt sich die Suchzeit nach der richtigen HU und es wird verhindert, dass der Fahrer eine falsche HU bereitstellt.
My Tours App in Fiori

Fazit

Durch den Einsatz des Manufacturing-Logistics-Add-ons gewinnt die Produktionsversorgung insgesamt deutlich an Stabilität, Transparenz und Steuerbarkeit. Für Unternehmen bedeutet dies nicht nur eine spürbare Verbesserung der täglichen Abläufe, sondern auch einen klaren Wettbewerbsvorteil. Sie können ihre Produktionslogistik flexibler an wachsende Anforderungen anpassen und bestehende Optimierungspotenziale systematisch erschließen. Damit schafft das Add-on eine wichtige Grundlage für langfristige Skalierbarkeit, höhere Leistungsfähigkeit und eine zukunftssichere intralogistische Versorgung.

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Daniel Ermilow 
Consultant SAP Logistics

Shadi Beiki
Associate Consultant SAP Logistics

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