Das Herzstück der Chemielogistik: Abfüllung an der Ladestelle

Christian Klumpp

Christian Klumpp

Über die besonderen Herausforderungen an die Logistikprozesse der chemischen Industrie

Vor kurzem veröffentlichten wir den ersten Teil unserer Chemielogistik-Reihe. In Teil eins befassten wir uns ausführlich mit den erforderlichen Prüfvorgängen und Sicherheitsanforderungen, die bei Gefahrguttransporten zwingend notwendig sind. Außerdem gaben wir zahlreiche Tipps, wie Sie die Waren Ein- und Ausgänge auf Ihrem Werksgelände deutlich verbessern können. Heute wenden wir uns der Königsdisziplin zu: der vollständigen Automatisierung bei der Abfüllung an der Ladestelle.  

Digital gestützte Abfüllung an der Ladestelle

Das Herzstück der logistischen Hofprozesse ist im Falle von Bulkware (Flüssigchemikalien) die Abfüllung an der Ladestelle. Hier werden sämtliche Daten aus den bisherigen Prozessschritten in entsprechenden Yard-Belegen gebündelt, geprüft und optimiert, sodass die Equipments optimal befüllt und unter Berücksichtigung von Liefertoleranzen gleichzeitig maximaler Umsatz generiert werden kann. 

Bei der Voranmeldung werden die zu beladenden Kammern nochmals vom Operator auf physikalische und rechtliche Anforderungen geprüft (Abgleich von ECD-Dokument, Equipment, Fahrer und Gütern), denn letzten Endes haften der Verladebetrieb und auch der Fahrer im Falle eines Schadens. Nach der Ermittlung des bestmöglichen Tanks vereint die hochkomplexe Ermittlung der optimalen Abfüllmenge (Payload) physikalische, rechtliche, auftragsbezogene und sicherheitsrelevante Aspekte (z. B. Ladungskompatibilität, Kippsicherheit des Fahrzeugs, Brandschutz, Gefahrgut und Gesamtgewicht abhängig von der verwendeten Route).  

Mittels Checklisten wird auditsicher dokumentiert, dass vor, während und nach dem Abfüllvorgang alle Richtlinien eingehalten werden und zu jeder Zeit die körperliche Unversehrtheit von Personen, aber auch Sachgütern und Umwelt sichergestellt werden kann.  

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Die Operatoren werden optimal per App durch den Abfüllprozess geführt

Optimal unterstützt werden die Operatoren dabei durch mobile Anwendungen auf Industrie-Tablets, die selbst bei schlechter Witterung mit Arbeitshandschuhen noch komfortabel bedienbar bleiben. 

Ein angebundenes Prozessleitsystem (engl. Distributed Control System) nimmt das berechnete Mengengerüst der Payload entgegen und steuert schließlich den physischen Abfüllprozess vom Tank in die jeweiligen Kammern des Equipments.  

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Aktuelle Füllstände der Tanks sowie Dichte und aktuelle Temperatur in Echtzeit

Die Durchflussmesser melden über das DCS die realen Abfüllmengen zurück ans Yard Management; bei einer vollständigen Integration ins ERP wird auf Basis dieser Werte eine exakte Auftragsrechnung erstellt. Abgerundet durch ein definiertes Reporting werden später Abweichungen zwischen Bestellmengen, Verladezeiten und tatsächlichen Abfüllmengen ersichtlich, welche wertvolle Informationen für das Controlling und Zeitfenstermanagement liefern. 

Königsdisziplin: vollständige Automatisierung der Abfüllung

Wer auf eine nahtlose und vollständig digitalisierte Lösung einzelner Ladestellen setzt, wird auch über die Königsdisziplin nachdenken: die systemgestützte Automatisierung des kompletten Verladeprozesses.  

Hierbei melden sich die Fahrer vorab über den Self Check-In an, gelangen über ein Terminal-gesteuertes Tor auf das Werksgelände, wo zunächst die Eingangsverwiegung durchgeführt wird. 

Nach kurzer Wartezeit auf einem Parkplatz erfolgt der Call-Off an die Ladestelle, wo der Fahrer sich selbständig am Terminal des DCS-Systems anmelden und nach Eingabe einer PIN und Ausfüllen des Sicherheitsfragebogens abfüllen kann – im Idealfall ohne Zuhilfenahme von Ladepersonal.  

Voraussetzung ist eine erfolgreiche vorherige Teilnahme der Schulung für Selbstabfüllung. Das Yard Management kümmert sich automatisiert um die Prozesse am Tor, ermittelt Tanks und ad hoc freie Ladestellen, ruft den Fahrer ab, berechnet die optimale Payload und führt eine Reihe von Sicherheits- und Konsistenzprüfungen im Hintergrund durch. Fast so einfach wie Tanken an der Zapfsäule mit Kreditkartenzahlung.

Beförderung von Chemikalien auf Schienen und Wasserwegen

Genau wie auf der Straße unterliegen chemische Transporte auf der Schiene oder mit dem Schiff besonderen Anforderungen. Bei schienengebundenen Transporten von Chemikalien werden die Kesselwagen vor Neubefüllung wie LKWs auf Ladungsverträglichkeit und Lademittelkompatibilität geprüft.  

Vor Neubefüllung fährt der Waggon auf eine dynamisch ans System angebundene Waage, um das Leergewicht zu ermitteln 

Eine so genannte Lauffreigabe wird erst erteilt, wenn alle Rüssel von den Containern entfernt und die korrekte Ladungssicherheit von autorisiertem, also geschultem Personalgeprüft wurde. Das Gewicht der Ladung wird nach Befüllung, vor Abfahrt erneut durch die dynamisch ans Gleis angebundene Waage geprüft, um Überladungen zu vermeiden.  

Waggons mit Gefahrstoffen werden stets so abgestellt, dass die Standorte aller Wagen bekannt sindSchließlich muss die Feuerwehr im Notfall die genaue Position und die Inhaltsstoffe der Gefahrgüter kennenAus Sicherheitsgründen wird die Ladung von Gefahrgut stets begrenzt, um im schlimmsten Fall den Schaden so gering wie möglich zu halten.  

Der Reinigungs- und Validierungsprozess betrifft alle Verkehrsträger, also auch die Befüllung der Container, die auf dem Wasserweg transportiert werden.

Wir sind für Sie da

Es lohnt sich, den Bereich der Chemielogistik genauer zu betrachten. Dynamische Lösungen sowie vielfältig verfügbare neue Technologien bieten hervorragende Chancen, die Prozesse von Gefahrguttransporten signifikant zu verbessern.   

Wir unterstützen Sie dabei, Ihre betrieblichen Abläufe effizienter, transparenter und kostensparender zu gestalten und damit Ihre Lieferketten zu verbessern. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann sprechen Sie uns gerne an.  

Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen im Blog wenden Sie sich an blog@leogistics.com 

Christian Klumpp
Development Architect SAP Logistics 

 

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